Markt und Konkurrenz

Konkurrenz und Spekulation

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Konkurrenz (zu lat. concurrere ‚zusammenlaufen‘, ‚um die Wette laufen‘) und Spekulation (von lat. speculari spähen, beobachten; von einem erhöhten Standpunkt aus in die Ferne spähen) haben im Finanzwesen eine gemeinsame Facette – die Wette.

In der Konkurrenz(Wettbewerb) um Kunden „laufen/kämpfen“ (bildlich aus den antiken Bewerben) die Institute mit ihren Mitteln um den Sieg, der mehr Gewinn und/oder Kunden (Macht) verspricht. Die Mittel des Wettbewerbs sind Fähigkeiten, wie in der Produktentwicklung, dem Vertrieb, dem Risikowesen, oder verfügbare Liquidität/ Kapital. Wichtig ist, dass Wettbewerbe auch durch das Eingehen von größeren Risiken gewonnen werden können.

Spekulation meint im Finanzwesen eine Wette, welcher eine Zukunftsprognose hinsichtlich der Wert- oder Risikoentwicklung eines Vermögensgegenstandes oder eines Zahlungsstroms unterliegt. Die Vertragspartner „laufen/kämpfen“ daher mit Ihren Mitteln, um die Zukunft besser einzuschätzen.

Die Mittel können Fähigkeiten, zum Beispiel mathematisch - analytischer Natur, oder überlegene Informationen sein. Prinzipiell ist die Wette Teil des Finanzwesens (immer Spekulation), denn die Vorteilhaftigkeit eines Produktes (Einlagen, Kredite) hängt fast immer von einer unsicheren Zukunft ab. Z.B. wie entwickeln sich die Zinsen und wie soll daher das Geld angelegt werden oder der Kredit verzinst werden? Wette und Wettkampf bedürfen mindestens zwei williger Vertragspartner, enden immer mit einem Verlierer und einen Gewinner und das Ergebnis liegt offen in der Zukunft. Wette und Wettbewerb sind somit im Bankengeschäft aufgrund der unsicheren Zukunft nahe beieinander. Wetten (Spekulation) ist momentan "schlecht" und Wettbewerb (Konkurrenz) ist "gut", solange er fair ist.

Öffentliche Anstalten: "Spekulation"  ist gerade wieder ein besonderes Unwort, da viele Länder und Kommunen Steuergeld verloren haben oder gerade verlieren. Spekuliert haben aber auch viele Private mit Ihren Krediten (Schweizerfranken), mit Ihren Aktienportfolios etc. Viele davon haben viel gewonnen und viele auch draufgezahlt. Spannend wie schlecht die Spekulation nun ist, nachdem so lange so gut daran verdient wurde. Jetzt fordern Parteien in Österreich die Spekulation für öffentliche Institutionen (zum Teil mit einem Verfassungsgesetz) zu verbieten. Wir lösen Fragen des Risikonehmens und der Gier mit einem Spekulationsverbot. Bei Öffentlichen Anstalten lässt sich das mit entsprechenden Gesetzen leicht lösen. Das wird sich jetzt zum Glück ändern.

Private: Wo liegt das Problem bei Privaten? Eine philosophische Frage ist, was es bedeutet, wenn zunehmend Menschen glauben, dass Wetten auf eine unsichere Zukunft Teil des Einkommens oder des Vermögensbildungsplans sind. Alle werden zu Spielern alle nehmen Risiko. Mit der privaten Vorsorge genauso wie mit der Ich AG. Hier wird es wieder spannend. Weniger Wetten (Spekulation, Risiko) hinsichtlich des privaten Vermögens, jedoch mehr private Vorsorge mit mehr Risiko. Gleichzeitig wollen wir mehr Unternehmer die Risiko auf sich nehmen. Lauter Ambivalenzen!! Da gibt es die scheinbar einfachen Sonderfälle wo der Konsumentenschutz zieht und sich "richtig" und "falsch" leicht beantworten lassen. Zum Beispiel, wenn Risiken eingegangen werden, die Mann und Frau nicht vestehen können (Schweizerfranken) und das Gegenüber qualifiziert ist (Bank). Dann sicher nicht. Hmm. Genug Private haben mit eben diesen Krediten lange Zeit von niedrigen Zinsen profitiert. Wo fängt die Selbstverantwortung an. Wollen wir eine risikolose Gesellschaft? Wie sieht es aber prinzipieller aus - wenn z.B. Private auf Börsen spekulieren? Spannend ist hier, dass sich religiöse Standpunkte (kein Casino, keine Spekulation, ehrliche Arbeit, Fragen der Gier) mit linken Positionen (kein Casionokapitalismus) überschneiden. Die Diskussion zur Kreditvergabe von Privaten an Unternehmen ergab das Freiheit vor Schutz gehen sollte. Ist das hier auch die Antwort? Ich habe noch keine Antwort für mich, aber konsequenter Weise, müsste die Antwort die gleiche sein.

Banken: Da wir alle - Banken besonders - immer mit der unsicheren Zukunft agieren, Vermutungen anstellen, glauben und daher auch "spekulieren", zeigt, dass die Spekulation nicht per se etwas Schlechtes ist. Das war jetzt etwas sehr grundsätzlich. Die aktuelle kritische Diskussion stellt ja spekulative Geschäfte in Frage, bei denen es kein reales Grundgeschäft gibt. Daher sind ja Banken so im Fokus - sie sind ja die Schnittstelle zwischen realen Geschäften und Finanztransaktionen. "Dürfen" und/oder sollen Banken Geschäfte machen, die kein reales Grundgeschäft mehr haben? Dazu habe ich noch keine Meinung, die Abgrenzung scheint aber nicht so einfach zu sein und die Implikationen schon gar nicht. Dazu würde ich gerne mal diskutieren.

Spannend wäre auch eine grundsätzlichere Diskussion zum Thema Risiko in der Gesellschaft. Wo wollen wir Risiken auf individueller Ebene (Altersvorsorge ja, Unternehmertum ja) und wo nicht ("Spekulation" - passt aber nicht zum aktuellen Altersvorsorge Konzept) und wo wollen wir den "Schutz" der Gemeinschaft? Es läuft auf die Frage "Sozialismus vs. Liberalismus" hinaus. Wollen wir eine Gesellschaft, die uns vor Risiken beschützt oder wollen wir viele Risiken auf individueller Ebene.

Absicherung und Spekulation vs. Produktion
01.01.13
Max

Das Fazit des Artikels ist ja: sollen wir den Menschen vor sich selber - und anderen, besser informierten die ihn über den Tisch ziehen wollen - schützen (Sozialismus) oder soll er selbst in die Verantwortung genommen werden (Liberalismus)?


Immer geht es um die Frage: Wollen Sie mehr Risiko oder mehr Sicherheit? Die einzige Frage, die moderne BankberaterInnen in der Lage sind ernsthaft zu stellen (sorry für diesen Rundumschlag!). Was für ein Selbstverständnis von KundInnen und BeraterInnen liegt dem aber zugrunde? Bei der Absicherung geht es darum, ein bestimmtes Konsumniveau abzusichern. Beim Risiko geht es darum einen möglichen höheren Konsum zu erreichen. Immer ist aber der Mensch als Konsument angesprochen. Als wäre der Mensch ein rein konsumierendes Wesen. Obwohl der Konsum natürlich eine wesentliche Komponente ist, halte ich das für ein sehr verkürztes Menschenbild bzw. Selbstverständnis. Selbst in der Produktion wird der Mensch als Konsument verstanden. Man Produziert, um einen Gewinn und damit Konsum zu erzielen.


Was aber geschieht, wenn die Produktion als ein gleiches Bedürfnis wie der Konsum angesehen wird? Der Mensch als Schaffende, Gestaltende, Bildende Kreatur. Ich behaupte, dass diese Komponente genauso wichtig ist, wie der Konsum. Konsumieren müssen alle lebenden Wesen. Sie befinden sich damit in einem Kreislauf der Natur. Ein Rind produziert nicht, es frisst Gras, das selbst wieder nichts produziert. Die Milch der Kuh wird nicht von ihr produziert, sondern sie entsteht, weil es zur Kuh gehört, dass Milch gebildet wird. Der Mensch ist als Mensch aber nur erkennbar, indem er schafft, gestaltet, bildet. Das ist kein Ideal und kein Wunsch, sondern ganz einfache Tatsache. Wenn diese Tatsache auch bei Geldgeschäften zum Tragen käme: wie würden dann KundInnen auf BankberaterInnen zugehen? Welche Fragen würden sie stellen? Welche antworten würden sie erhalten?


Du sprichst die Frage von Leergeschäften bei Banken und Personen an. Diese Transaktionen sind für mich ein Indikator für das Selbstverständnis als rein konsumierende Kreatur und die Negation der produzierenden Komponente. Ob sie erlaubt sein sollten oder nicht finde ich eine nicht so wichtige Frage. Vielmehr geht es mir darum zu fragen: Was will ich (oder ein Institut oder ein Staat) eigentlich im Leben und wie lässt sich das verwirklichen? Der Konsum ist notwendige Existenzbedingung des Lebens. Wenn ich also etwas verwirklichen will, dann muss ich mich auch um die Bedingungen kümmern. Da kann es schon einmal zum Abschluss einer Versicherung (quasi-Leergeschäft) kommen. Auch werden Planungsannahmen zu treffen sein, die immer spekulativer Natur sind. Villeicht wird sogar einmal ein Swapgeschäft abgeschlossen - was auch immer. Langweilig (und wenn man die Entwicklung der Finanzmärkte während der letzten 10 Jahre betrachtet, schädlich) sind Geschäfte, die von einem Lebens-, Produktions- oder Gastaltungswillen völlig abgeschnitten sind und diese auch bei den Vertragspartnern nicht wahrgenommen werden.


Regulatorische Massnahmen sehe ich in der jetzigen Situation als pragmatische Notwendigkeiten. Man muss ja nicht gleich alles verbieten. Aber die Möglichkeit schaffen, so zu regulieren, dass der Mensch sich auch als gestaltendes Wesen verstehen kann, das wäre schon etwas. Wir tun ja so, als stünden wir vor einem System der reinen Gier und indem wir so tun, transformiert sich unsere Gesellschaft tatsächlich in ein solches System. Interessant wäre eine Gesetzgebung, ein Steuersystem in dem der Mensch auch als Produzierender verstanden wird. Indem das Produzieren einen Wert hat.


Das waren jetzt etwas grundsätzliche Überlegungen. Ich denke es wäre wichtig, im nächsten Schritt wieder konkreter zu werden. Ich wollte ausdrücken, dass sich der Mensch als Produzierender nicht vergessen soll und das wir das in die Diskussion integrieren sollten.



noch vor der Conclusio
02.01.13
Ralf

Du schreibst: "Das Fazit des Artikels ist ja: sollen wir den Menschen vor sich selber - und anderen, besser informierten die ihn über den Tisch ziehen wollen - schützen (Sozialismus) oder soll er selbst in die Verantwortung genommen werden (Liberalismus)?"


Nee. So weit war ich noch nicht. Denke, dass der Gedankengang von mir auch nicht wirklich strukturiert oder auf ein klares Ziel führend war. Fragmente zu verbundenen aber unterschiedlichen Themen. Vielleicht wird es mir in der Diskussion mit dir ja jetzt klarer.


Du schreibst weiter: "Immer geht es um die Frage: Wollen Sie mehr Risiko oder mehr Sicherheit?". Ja, das schon mehr ! - Ich knüpfe hier mal.


Erstens wollte zeigen, dass wir immer Risiko haben und nehmen und damit auch spekulieren. Das wir immer Entwürfe auf die Zukunft (auch mit uns selbst machen) und es dabei immer Risiko und Unsicherheit gibt. Selbst nichts zu tun, ist eine Entscheidung für die Zukunft und ein Risiko. Zu diesem gleichen immer wieder kommenden Wertepaar "Risiko vs Sicherheit" gibt in der Gesellschaft ganz unterschiedliche zum Teil fast paradoxe Positionen. Ich übertreibe jetzt. Einmal ist Risiko gut (Unternehmertum, private Pensionsvorsorge) und dann braucht es wieder Schutz vorm Risiko (Prospektpflicht, Konsumentschutz, direkte Kreditvergabe). Wieso ist dieses Wertepaar so zentral und gar nicht langweilig? Angst und Freiheit - Sind halt zentrale Themen für den Menschen.


Zweitens ging es mir um eine - unbeantwortet - ethische Frage. In der öffentlichen Meinung wird momentan gerade die Spekulation heftig kritisiert. Ich kann diesen Punkte gut verstehen - will aber die Grauzone und die Schwierigkeit in der Grenzziehung zeigen. Wieso kauft sich Salzburg Fremdwährungen aus allen Herrenländern und verknüpft diese mit Optionen? Um Geld zu sparen. Ist das Gier und darum schlecht oder weil wir gerade Geld verloren haben? Müssen Beamte nicht versuchen möglichst viel an Zinsen einzusparen? (ich nehme jetzt mal keinen Betrug etc an) Und zwar genauso wie die vielen kleinen Häuselbauer mit Frankenkrediten oder jeder der sich z.B. Aktien kauft. Ist dieser Versuch - ethisch-moralisch bedenklich oder einfach unvernünftig? Unvernünftig sicherlich, da sie die Risiken nicht einschätzen konnten und die Bank immer gewinnt.


Steckt in der "reinen" Finanzspekulation wirklich ein ethisch-moralisches Problem? Gibt es erstens wirklich reine Finanzspekulation? Angenommen nur Banken spekulieren miteinander - dann wird es doch ein Nullsummenspiel. Es liegen also doch schlußendlich immer Grundgeschäfte oder zumindest einen realen Kontrahenten dahinter (wenn die Bank das Risiko nimmt). Natürlich versuchen die Banken diese Deals halt auch an die Kommunen, Banken und Unternehmen zu vertreiben und fördern damit diese Art von Geschäften.


Spekulation hat viele vergessene gute Seiten. Bauern können mit fixen Erträgen rechnen etc. etc.


Wo liegen moralisch-ethische Bedenken? Aus deinen Transparenz Gedanken würde ich sagen, dass die Gier durch die Annoynmität verstärkt wird. Je abstrakter und beziehungsloser desto mehr tritt die Rendite Orientierung in den Vordergrund. Aber gibt es noch weitere Dimensionen?


 


 



Teil 1: Spekulation als sekundäre Frage
28.01.13
Max

Zu Deinem ersten Punkt: Du sagst wir hätten immer ein Risiko und sind dadurch immer spekulierende. Ich stimme dir vollkommen zu. Trotzdem möchte ich - bevor ich auf die eigentlich ethische Frage komme - noch einen Aspekt einflechten, der dieser Betrachtung notwendig vorausgeht. Üblicherweise planen wir unser Leben und diverse Entscheidungen auf Basis unserer Interessen und Impulse (ich rede hier nicht von Bedürfnissen, die ich eher auf den Konsum beziehe). Es ist vielleicht der Luxus einer wohlhabenden Gesellschaft, hier wirklich wählen zu können. Immer spielt natürlich auch der Familiäre Hintergrund und etwaige Begabungen oder Unfähigkeiten eine Rolle - keine Frage. Oft ist auch von Brotjob vs. Interesse die Rede. Es entspricht aber nicht meiner Erfahrung, dass z.B. Berufe, Studiengänge,... rein nach den Kategorien finanzielle Sicherheit und finanzieller Ertrag gewählt würden. Sonst würde jeder seine Fähigkeiten beurteilen und auf Basis dieser Fähigkeiten die finanziell aussichtsreichste erreichbare Berufsvariante wählen. Die Folge wären lauter Fähige Investmentbanker, Ärzte, Anwälte,... (die klügsten der Gesellschaft) und lauter unfähige Sozialarbeiter, Krankenschwestern, Frisöre, ... Klar es gibt noch viele andere Kriterien wie Ausbildungszeiten und so weiter. Ich will nur darauf hinaus, dass unsere Berufswahl in der Regel vom Interesse an einer Tätigkeit getrieben ist. Ich denke, die Frage nach Spekulation und Risiko - nicht nur in Berufs- sondern auch in Alltagsentscheidungen, ist tendenziell sekundär: Wenn ähnliche Optionen im Sinne des Interesses vorhanden sind. Dann kommen Risikoüberlegungen ins Spiel. Dann werden Risiko und Chance - und somit auch die Spekulation damit - schlagend. Zugleich wissen wir: wenn jemand etwas wirklich will, das mit seinen Fähigkeiten einigermaßen übereinstimmt, dann ist auch ein Leben damit möglich. Restrisiken wie Krankheitsausfall sind dann immer gegeben - aber in der Regel auch Versicherbar (Einkauf von weniger Risiko). Das Thema bleibt in jedem Fall zentral. Ein Punkt den ich als problematisch sehe: Je schwächer unsere Impulse etwas zu tun, bzw. zu gestalten, desto stärker kommen die Unsicherheitsthemen an die Oberfläche. Eine Gesellschaft, die in Bezug auf die Wirtschaft (einerlei ob Berufswahl, Einkauf, Anlage,...) nur noch von Risiko und Ertrag (bzw. Spekulation) redet, will eigentlich nichts. Damit sage ich nicht, dass Risiken nicht genau beobachtet, analysiert und allenfalls versichert werden sollen! Sonst wäre man ja blind. Bin gespannt auf deine Antwort zu diesem Punkt!



Teil 2: Spekulation mit Steuergeldern und das Problem der Rechtfertigung von Externalitäten
28.01.13
Max

Damit komme ich zu Deinem zweiten Punkt: Spekulation im Finanzsektor ist ja wie wir wissen nicht ganz jung - schon Thales v. Milet hatte ja seine Olivenpressenspekulation laufen. Aber zu deinem aktuellen Salzburger Beispiel. Klar, die Beamten haben für das ihnen anvertraute Steuergeld Sorge zu tragen (Sicherheit) - keine Frage. Dazu gehört auch ein gewisser Gewinn aus Anlagen (Ertrag) - auch keine Frage. Schwierig wird es schon, wenn man mehr herausholen will, als in der ökonomischen Realität liegt (z.B. wenn man als öbb sale-and-leasback Verträge mit Lokomotiven über die USA macht, um österreichische Steuern zu sparen - und die Leasingfirma in Konkurs geht...). Ist vielleicht ein schlechtes Beispiel, aber ehrlich: wer kann schon aus einer normalen Geschäftstätigkeit mehr als 5 % Zins auf das eingesetzte Kapital sinnvoll erwirtschaften, ohne dass andere stark benachteiligt werden - einerlei ob Lieferanten, Mitarbeiter oder Konsumenten. Die Spekulation zielt ja immer darauf, ein Ungleichgewicht zu lokalisieren und den Mehrertrag (z.B. Konsumentenrenten) abzuschöpfen. Ich frage mich jetzt aus ethischer Sicht - und wir sind noch bei realwirtschaftlich unterlegten Transaktionen - warum immer die Kapitalgeber alles einstreichen sollen und warum nicht die Ideengeber oder die Mitarbeiter oder die Lieferanten oder... (Eigen)Kapitalgeber sind eben die einzigen, die die dazu nötigen Instrumente haben - sozusagen die Produktionsmittel zum Freeriden der Erträge anderer. Ich bin allerdings pragmatisch genug, das mal so zu akzeptieren. Ob jemand an diesem Spiel teilnehmen soll/darf oder nicht - die Frage erübrigt sich ja. Allerdings ist die Diagnose, dass auch politische Ämter offensichtlich mit dem Ihnen anvertrauten Geld nichts wollen als mehr daraus zu machen sicher zulässig. Man muss ja jede politische Aktion und ihre realen Auswirkungen vor dem Volk rechtfertigen (z.B. durch UVP und dergleichen). Nur bei der Finanzanlage braucht man keine realen Auswirkungen rechtfertigen - das finde ich sonderbar, bzw. unethisch um konkret auf Deine Frage zu antworten.



Teil 3: "Virtuelle" Finanzspekulation - und der Zwang die ausgefallenen Gewinne doch zu erwirtschaften
28.01.13
Max

Und damit komme ich zum Thema der reinen Finanzspekulation: die reine Finanzspekulation hat ja keine unmittelbaren Bezüge zu real erwirtschafteten Erträgen – eine Folge der Anonymisierung. In der Regel gibt es aber einen Bezug zu erwarteten Erträgen bzw. Erwartungserwartungen. Im Preis für CDOs oder CDO^2 ist beispielsweise der erwartete Ertrag bzw. die erwarteten Zinserträge enthalten. In Aktienkäufen sind Gewinnaussichten der betroffenen Unternehmen enthalten. Spekuliert wird auf Kurse von verschiedenen Kapitalien. Den Verlust hat in der Regel der letzte Verkäufer. In einem geschlossenen System von Spielern könnte man sagen wäre damit kein großes vordergründiges Problem sichtbar – gleich wie im Kino. Allerdings existieren reale Spillovers. Preise für Rohstoffe, Nahrungsmittel,… schwanken in Form von Rückkoppelungen mit den entsprechenden Derivaten. Das ist der eine Problemkreis, der durchaus zu Hunger, Wohnungsnot, ansteigenden Güterpreisen führen kann. Das andere Problem ist, dass im Fall einer Krise die letzten Käufer bzw. Verkäufer nicht selten systemrelevante Player wie Pensionsversicherungen, große Banken, usw. sind. Pensionskassen kommen in Schwierigkeiten weil sie AAA geratete CDO^2 gekauft haben. Ein Fehler der Ratingagenturen? Fahrlässigkeit der Emittenten? Blauäugigkeit der Kassen? Das ist schon nicht mehr wichtig. Wichtig ist, wie systemrelevante Player gerettet werden können. In der Regel durch maximale Streuung über den Steuerzahler (d.h. die Staatshaushalte). Zusammengefasst: Spekulation, die den Einzelfall und den tatsächlich erwirtschafteten Gewinn nicht im Blick hat, tendiert dazu, die Last der zusammenbrechenden Überbewertungen auf die Allgemeinheit zu übertragen, sodass die nicht realisierten aber eingepreisten Gewinne plötzlich real werden – nämlich vom Steuerzahler jetzt wirklich erwirtschaftet werden müssen. Auch das finde aus ethischer Perspektive bedenklich. Zugleich erscheint man mit solchen Einwänden immer als Spielverderber. Ist mir auch klar.



Teil 4: Umgang mit Unsicherheit
28.01.13
Max

Zum Positiven der Spekulation: In diesem Punkt geb ich dir auch 100 % recht. Was wäre das Leben ohne Unsicherheiten? Unsicherheiten abwägen und prüfen und Strategien zu finden damit umzugehen, das sind die wichtigen Aspekte der „Spekulation“. Ich denke aus meiner Sicht wird das alles sofort vertretbar, sobald sich der Umgang mit Unsicherheit auf realökonomisch fundierte Dinge bezieht (d.h. nicht der Erzielung einer wertschöpfungslosen Renditevermehrung). Und auch die Basis der damit verbundenen Versicherungen realökonomisch fundiert sind (z.B. Währungsswap zwischen Verkäufer und Käufer in verschiedenen Währungsräumen). Da können innovative Finanzprodukte helfen – keine Frage. Einmal mehr kommt es wie sich zeigt, nicht so sehr auf das Was an, sondern auf das Warum und das Wie.



Sammlung an Anworten
04.02.13
Ralf

Teil 1: Spekulation als sekundäre Frage


spannende Perspektive. Die lass ich so stehen, weil Sie mir gefällt.


Teil 2: Spekulation mit Steuergeldern und das Problem der Rechtfertigung von Externalitäten


Prinzipiell stimme ich dir zu, aber aber. "Ist vielleicht ein schlechtes Beispiel, aber ehrlich: wer kann schon aus einer normalen Geschäftstätigkeit mehr als 5 % Zins auf das eingesetzte Kapital sinnvoll erwirtschaften, ohne dass andere stark benachteiligt werden - einerlei ob Lieferanten, Mitarbeiter oder Konsumenten". Nun, ja es gibt schon ganz verschiedene (Ausfalls-Risiken. Darum machen solche Pauschalaussagen einfach keinen Sinn.


Kein Kommentar zum Rest. Bis dato war es halt die Aufgabe der politischen Akteure möglichst effizient die Schulden zu managen und nicht sie öko-sozial oder besonders sicher anzulegen. Das wird sich jetzt ändern. Es war halt auch ein Boom Zeit und jeder dachte, dass man einfach Zinsen sparen kann und es muss ja nicht unbedingt schlecht sein, wenn es in Länder geht wo höhere Zinsen gezahlt werden. Vielleicht gibt es dort einfach realwirtschaftlich wichtigere Projekte.....Vielleicht kommt es auch gerade den Sozialschwachen zugute, wenn wir weniger Zinsen auf auf unsere Staats-Kreditportfolio.  So im Allgemeinen finde ich, lassen sich nur schwer ethische Antworten geben.


Teil 3: "Virtuelle" Finanzspekulation - und der Zwang die ausgefallenen Gewinne doch zu erwirtschaften


Wenn die Blase platzt, dann tuts der Allgemeinheit weh sagst du. Da gebe ich dir recht, vorallem im jetztigen Platzen der Finanzblase. Und noch mehr, wenn wie von dir gennant in den Pensionskassen und anderen Instituten die schlechtest informierten Mitglieder der Finanzcommunity sitzen bzw sogar systemisch dazu gezwungen werden als letzter in der Futterkette zu sitzen.   Gibt es für dein Argument mit den Lebensmittel auch einen Beweis?  http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/studie-spekulation-erhoeht-die-agrarpreise-nicht-11987881.html


Dein Argument ist, dass wenn alle Futures kaufen sich die Preise nach oben schrauben und der Konsumtent das zahlt, der Bauer aber nichts davon hat? 


Die kurzfristige Spekulation am Wiener Häusermarkt hat übrigens auch seine gute Seiten. Investitionsboom - Stadterneuerung und viele gute Arbeitsplätze in eh unsicheren Zeiten. Auch hier eine Frage der Perspektive.


Teil 4: Umgang mit Unsicherheit


Ich glaube hier treffen wir uns am meisten. Nicht innovative Finanzprodukte sind das Problem. Sondern warum wir Sie einsetzen und für was. Ich finde Rober Shiller trifft diesen Punkt in seinem neuen Buch extrem gut.



Zu Teil 2 und 3
01.03.13
Max

Zu Teil 2: Ok, geb dir recht, dass man das genauer betrachten müsste. Venture Capital ist natürlich anders zu beurteilen, als das laufende Geschäft eines normalen unternehmen. Das Verhältnis von möglichem Ertrag und eingegangenem Risiko spielt natürlich eine sehr wesentliche Rolle.


Vielleicht bin ich da etwas verträumt. Ich kenne einfach zahlreiche Beispiele in denen Mitarbeiter ausgepresst werden (oft im Burn-Out landen) einfach um noch irgendetwas an Erträgen für das eingesetzte Kapital herauszuholen - unabhängig von der aktuellen Marktsituation. Ist das der Sinn unseres Engagements? Es heisst dann: "Wir haben den Markt outperformed". Da ist einfach ein deutliches Machtgefälle gegeben. Dieses Machtgefälle war lange Zeit vor allem geografisch sichtbar - und klar, einige Schwellenländer konnten sich dadurch auch entwickeln. Mittlerweile verschiebt sich dieses Machtgefälle aber weg von einer geografischen und hin zu einer funktionalen Bestimmtheit. Es kommt immer mehr auf Bildung, Branchen und Bildungsniveau an. Das Machtgefälle bleibt aber bestehen. Und die Arbeitsbedingungen im Bereichen wie Baumwolle, Textil, Kaffee, ... sind nach wie vor über weite Strecken katastrophal - wegen dem Machtgefälle eben.


Zu Teil 3: Dazu ein interessantes Feature: Rohstoff-Roulette vom 6.2.2013: http://www1.swr.de/podcast/xml/swr2/feature.xml


Ob es einen Beweis für die Auswirkungen der Rohstoffspekulation gibt, ist natürlich eine nicht ganz einfache Frage. Grundsätzlich würde ich aber festhalten:


1. In jedem Markt können Spekulationsdynamiken jenseits der Realen Grundlagen einsetzen, die zu Blasenbildungen führen. Setzt eine Dynamik richtung steigender Preise ein, hat das natürlich Auswirkungen auf die realen Preise - und im Fall von Lebensmitteln auf die Menge der leistbaren Nahrungsmittel ärmerer Gruppen und somit ihren Hunger.


2. Die Macht der Teilnehmer auf den Finanzmärkten ist aufgrund der verfügbaren Volumina höher als jene der Realmärkte. Zugleich sind überhöhte Preise ohne die entsprechende reale Nachfrage nur auf gewisse Zeit haltbar. Derzeit gibt es eine Überproduktion von Kupfer - real betrachtet. Der Preis stieg allerdings im Rahmen der allgemeinen Dynamik von Rohstoffen von 2009 bis 2011 auf das Vierfache und liegt jetzt etwas darunter. Ich frage mich, ob reale Nachfrage und Angebot solche Dynamiken auslösen können. Es ist auffallend, dass Lagerbestände und Preise sich immer wieder parallel bewegen.


3. Die Charts verschiedener Rohstoffgruppen bewegen sich parallel. Aus realwirtschaftlichen Überlegungen ist schwer nachzuvollziehen, warum sich Metallindex und Agrarindex in ihrem Verlauf so ähnlich sind, obwohl die Produktions- und Nachfragebedingungen, realwirtschaftlich gesehen, sehr unterschiedlich sind.


In diesen Entwicklungen spiegelt sich für mich ein starkes Machtgefälle zwischen dem Finanzmarkt und den Realmärkten. Ich würde so weit gehen zu sagen, dass die Gleichgewichtsbildung zwischen Angebot und Nachfrage stark eingeschränkt ist. Ein Beispiel: Der CHF ist (oder war über einige Zeit) aus Sicht der Finanzmärkte unterbewertet und musste durch die SNB gestützt werden. Aus Sicht der Gütermärkte ist der CHF dagegen stark überbewertet, was am massiven Unterschied in der Kaufpreisparität nach wie vor ablesbar ist. Für mich liegt die Vermutung nahe, dass Kapitalmassen, die bis 2007/2008 in Immobilien,... investiert waren, ab 2009 vermehrt in Rohstoffe gingen - quasi als Ausweichmanöver - und die Menge an Kapital natürlich die Preise massiv beeinflusst hat. Ja, die Frage ist, ob das durch Zeitreihenanalysen nachweisbar ist. Das hängt natürlich vom Modell ab - aber die Studien im Einzelnen hab ich nicht gelesen und hab daher kein fundiertes Urteil dazu.


Ich würde sagen, wenn sich viel Kapital in eine Branche setzt, steigen die Preise. Kurzfristig profitieren natürlich auch die Produzenten. Aber naturgemäss stürzen die Preise dann wieder ab. Dann haben die Produzenten einen Kater. Die Unsicherheit nimmt also zu.


Ein investitionsboom ist ja nicht immer so super - wie in der Subprimekrise deutlich zu sehen war...



Zu Teil 2 - Burnout und Ausfallswahrscheinlichkeiten
04.03.13
Ralf

Bevor ich dir ausführlich zu den Charts antworte. (Großartig!)


Dein Burnour Argument finde ich nicht sehr passend. Wir kennen beide Freunde, die genau nicht bei ultrarendite orientieren Unternehmen arbeiteten und knapp am oder im Burnout waren. Meine Meinung nach, ist das Burnout Thema wesentlich komplexer. Und ich möchte nicht wissen, wieviele Bauern, Knechte oder Arbeiter früher im Burnout waren. Mit anderer Bezeichnung. Burnout hat auch was mit dem Rennen mit uns selbst zu tun - um Selbstverwirklichung?. Natürlich gibts auch Druck Komponenten vom System - uns sie steigen. Aber wie gesagt, meiner Meinung nach ist das nicht der Punkt.


Die Rendite-Risiko Relation ist meiner Meinung nach, eines der zentralsten Themen überhaupt. Motor der wirtschaftlichen Entwicklung (eine der wichtigen Motivation von vielen Unternehmern/innen) genauso wie Grund für viel Umverteilung. Ich habe auch so das Gefühl, dass sich hier so mancher alternativer Denker schwer damit tut. Was ist wenn ein Projekt eine Ausfallswahrscheinlichkeit von 20% Prozent hat oder die jährliche Inflation mit 10% angenommen wird? Schnell gehts dann um Zinsen, die man früher als Wucher bezeichnet hätte und trotzdem sind sie fair. Ansonsten ist es einfach eine Umverteilung zum Kreditnehmer. Meiner Meinung nach sollte es ab Ausfallswahrscheinlichkeiten von 10-15%, überhaupt nur noch Eigenkapitalbeteiligungen geben. Scheint mir fairer. Der Nachteil an diesem Vorschlag ist, dass Menschen ohne Kapital es dann schwiergier haben selbst Eigenkapital durch gute unternehmerische Einfälle aufzubauen. Das war und ist eine wesentliche Funktion von funktionierenden Kreditmärkten.



Motor der Wirtschaft
05.03.13
Max

Deinen Argumenten kann ich weitgehend zustimmen. Klar: Burnout ist ein komplexes Phänomen und dein Argument bezüglich Zinsen ist gut nachvollziehbar. Für mich ergibt sich ein systematisches Problem: Die Rendite-Risiko Relation macht Innovation teuer und Stagnation (altbewährtes) billig. Das liegt natürlich in der Natur der Sache - ist aber aus einer anderen Perspektive suboptimal. Interessant sind da selbstverständlich Venture Capital Ansätze. Das wäre aber wieder ein eigener Diskussionspunkt. 


Grundsätzlich sehe ich einen Unterschied zwischen Spekulation und dem Eingehen von Risiken. Spekulation hat für mich den Beigeschmack, dass ich etwas einsetze und einen entsprechenden Ertrag erwarte. Der Rest ist sekundär - es kommt nicht darauf an ob ich Bananen importiere oder Schaufelbagger produziere. Auch ein Unternehmer geht Risiken ein. Aber ich behaupte, dass für viele Unternehmer der Gegenstand des Unternehmens einen hohen Stellenwert hat. Je nach Unternehmerpersönlichkeit kommt an erster Stelle der erwartete Ertrag oder eben das Interesse am Unternehmensgegenstand. Im letzteren Fall bekommen Finanztechniken eine "dienende" Funktion für den Unternehmenszweck. Finanzer tendieren aufgrund ihrer Betrachtungsweise dazu, den unternehmenszweck zu übersehen.


Jede Unternehmensgründung ist ein Risiko - und oft stehen den Risiken nicht einmal gute Gewinnerwartungen gegenüber. Die Unternehmerin geht somit ein ungedecktes Risiko ein. Vielleicht einfach aus Interesse am Unternehmensgegenstand und Unternehmertum. Wie kann man aber als Bank oder Investor damit umgehen. Oder ist das ein Bereich, der vom Finanzsektor garnicht sinnvoll bedient werden kann? Brauchts da Staatliche Startup-Programme in denen der Staat das Risiko übernimmt? Können wir immer nur auf die Rendite-Risiko-Relation abstellen und brauchts für alles was in diesem Ramen nicht darstellbar ist "Philanthropie"? Was meinst du?



Spekulation (Wille zur Macht) und dem Eingehen von Risiken (Willen zu Machen)
07.03.13
Ralf

Deine Unterscheidungen finde ich spannend. Erinnert mich an die Diskussion zur Macht. Da hattest du eine ähnliche Haltung. Macht (=Geld) ist nur dann erstrebenswert, wenn es nicht um Macht per se - sondern um Macht um etwas zu tun geht. Und das "wozu" bewertest du dann nach moralischen Kriterien. Gleich argumentierst du bei der Spekulation. Wenn es ein wozu (ein schöpferisches, schaffendes Unternehmertum) gibt, dann ist es ein Risiko und moralisch ok. Wenn es "nur" um Profit (Geld=Macht) geht, dann lehnst du es ab. Es wird zur Spekulation. Also nix mit dem Willen zur Macht. Sondern der Wille zum Machen. Falls ich das so richtig verstanden habe, dann frage ich mich nach welchem Kriterium du das Machen dann bewertest. Soll es  bewertet werden, ob es einen dienenden Zweck (Einen Sinn für die Allgemeinheit) hat? Siehst du das so?


Diese Sichtweise funktioniert. Hat aber glaube ich Bruchstellen. In dieser Sicht wäre ein Warren Buffet hinterfragenswert. Er sagt, "er kann Kohle machen" und fokussiert sich darauf. Er lebt aber nachwievor sehr einfach und spendet sein gesamtes Geld für gute Zwecke. Er dient also auch der Allgemeinheit. Mehr wie so mancher nicht spekulierender Mitbürger. Die Salzburger Beamtin hat das Geld ja auch nicht spekulativ veranlagt, um sich selbst zu bereichern, sondern wollte Ihrer Salzburger Community Steuergeld ersparen. Geld das per se der Allgemeinheit dienen sollte? Bin auf deine Erklärung gespannt.



Risiko-Rendite Relation und notwendige Innovationen
07.03.13
Ralf

Du schreibst "Die Rendite-Risiko Relation macht Innovation teuer und Stagnation (altbewährtes) billig". Ich finde dein Argument sehr spannend, frage mich aber ob es so wirklich stimmt. Wie besprochen - machen wir dazu mal einen eigenen Beitrag. Hier also vorweg.


Du sagst die Preise steigen mit dem Risiko. So einfach ist doch die Relation nicht. Natürlich steigen die Kreditzinsen und die Kreditverfügbarkeit sinkt bei riskanten Projekten. Riskante Projekte sind oft kleine und junge Unternehmen. Die teuren Kredite machen diese Projekte weniger leicht möglich. Weil aber das Risiko steigt, ist dann meist Eigenkapital (Family & Friends, Seed-Finance, Business Angels, Venture Capital,..) angebracht. Denn diese Finanzierungsformen partizipieren auch proportional am Ertrag, wenn das Projekt aufgeht. Das tut Kreditkapital je nicht. Daher bekommen hier die Investoren in den ersten Jahre gar keine Zinsen und rechnen damit, dass einige der Projekte abgeschrieben werden müssen. Die Conclusio ist, dass ab einem gewissen Risiko, Finanzierungsformen bei denen der Ertrag mit dem Risiko einhergeht, vernünftiger sind. Dann muss die Relation: Innovativer ist teurer nicht mehr gelten. Mir taugen diese Plattformen wie kickstarter extrem, die genau jungen innovationen Einfällen die Finanzierung ermöglichen. Es fehlt glaube ich mehr an guten Einfällen, wie an günstigem Kapital. Ich kenne Business Angels, die zumindest genau meinen, dass es genug Kapital aber zu wenig Projekte gibt. Alte Unternehmen - die keine Nachfrage bedienen, oder nicht funktionieren, zahlen übrigens auch höhere Kreditzinsen.


Ich würde sagen, es gilt. Die Finanzierungskosten sinken mit dem Glauben an den Unternehmenserfolg oder das Unternehmen. Die Frage daraus ist dann, ob du dem Markt mit freien Entscheidern vertraust oder nicht?


Bezüglich staatlichen Programmen. Grundlagenforschung ist doch das beste Beispiel. Extrem hohe langfristige Aufwendungen. Dafür gibts wenig Investoren. Dann muss der Staat. Bei kleinen Starups siche ich das nicht. Wie gesagt, da gibt es Möglichkeiten (wie Kickstarter), auch ohne dem Staat eine weitere Rolle zuzuweisen.


Wenn du dich jetzt am Ertrags Argument anstösst. Es kann ja auch Projekte geben, die sozialen Zwecken ohne Profit dienen. Hier gibt es für die Menschen die Kredite oder Eigenkapital zur Verfüng stellen, dann eben eine Sinnrendite.



Spekulation und steigende Preise
24.03.13
Ralf

Ein Preis ergibt sich, wenn jemand zu einem bestimmten Preis kauft und jemand verkauft. Angenommen es gibt keinen Qualitätsunterschied in einem Produkt (Öl, Kupfer, Weizen) – also homogene Güter, dann gibt es die folgenden Gründe für steigende Preise.:



  1. Wenn das Angebot kleiner ist wie die Nachfrage(oder es eine Erwartung zu so einer Entwicklung in der Zukunft gibt). a.) Sinkendes Angebot (Schlechte Ernte, verbrauchte Ressourcen, Ölkartell) b.) Die Nachfrage schneller wächst wie das Angebot (wieder das Erdöl als Beispiel)

  2. Wenn das Angebot durch steigende Produktionskosten (z.B. Energie, Umweltschutz beim Abbau…) teurer wird

  3. Wenn die Anbieter in der Lage sind die Preise willkürlich zu bestimmen (z.B. Monopolmarkt)

  4. Wenn die Geldmenge steigt - es Überliquidität im Markt gibt – und das Preisniveau steigt


Ich denke, dass der Großteil der von dir beschriebenen Preissteigerungen, durch die Überliquidität im Markt verursacht wird. There is also evidence that, more generally, measures of global liquidity are one of the best performing leading indicators of asset price booms and busts.” [1] Daher entwickeln sich die Preise auch so parallel. Ist das nun Spekulation oder eine Vermögenspreisinflation. Die Grenzen verschwimmen.


Handelt es sich dabei um Spekulation in deiner Definition (Veranlagung rein nach Rendite Überlegung) – ja. Ich halte deine Definition von Spekulation aber für problematisch. Wenn du immer, wenn es um reine Rendite Orientierung geht von Spekulation redest, dann bekommen wir glaub ich ein Definitionsproblem. Dann bin ich ein Spekulant, wenn ich mein Geld auf das Sparbuch mit der höchsten Verzinsung lege. Das mag in deiner Definition so sein, aber irgendwie fehlt doch schon die Risikokomponente in deiner Definition. Spekulation wird begrifflich zu Renditeorientierung. Mir scheint, als ob uns (und in der gesamten Diskussion) eine Definition von Spekulation fehlt. Jeder meint ein bisschen was anders damit und argumentiert von daher. Diesen Punkt wollte ich eigentlich mit meinem Eingangsartikel zeigen.


Natürlich gibt es den Effekt, dass die Erwartung von steigenden Preisen alleine schon zu weiterer Nachfrage führt und dadurch die steigende Preiserwartung erfüllt wird. Das würde wahrscheinlich deine Definition treffen. Das beste Beispiel dafür ist meiner Meinung nach die Tulpenkrise. Es gibt aber noch andere Effekte. Eben die Geldmenge im Markt, oder steigende Nachfrage bei sinkendem Angebot (oder steigendes Preise in der Produktion).     Was bewirken steigende Weizenpreise. Für die ärmsten, die sich nicht autark (eigener Bauernhof) ernähren, bedeutet diese eine Belastung wenn diese Preise stärker steigen wie die Einkommen. Und du hast natürlich Recht, wenn der Finanzsektor gut an jeder Rohstofftransaktion mitverdient, dann muss dieser Preis entweder der Produzent oder der Konsument bezahlen.





[1]ECB 2012, GLOBAL LIQUIDITY: CONCEPTS, MEASUREMENTS AND IMPLICATIONS FROM A MONETARY POLICY PERSPECTIVE http://www.ecb.int/pub/pdf/other/art1_mb201210en_pp55-68en.pdf





Überliquidität
24.03.13
Max

Stimme dir völlig zu, dass die naheliegenste erklärung die Überliquidität ist. Quasi die Suche des "freien Finanzkapitals" nach Anlagemöglichkeiten. Die Überliquidität, da sie sich in der aktuellen Situation hauptsächlich auf Sparguthaben bezieht, geht nicht in den Konsum, sondern in Investitionen. Rohstoffe und da insbesondere Nahrungsmittel, haben aber natürlich eine direkte Auswirkung auf die Lebensmittelpreise. Die NZZ vom 18. März 2013 schreibt dazu: "Die Geldschwemme sorgt für einen Anlagenotstand der Investoren. Die ETF (Exchange-Traded Funds) sind dabei nicht die Ursache, sondern nur ein Symptom der Entwicklung." Die NZZ argumentiert, dass nicht die Finanzmärkte schuld sind, sondern die Zentralbanken durch ihre Marktmanipulationen. Ausserdem wären die hohen Preise ein Vorteil für Kleinbauern. Nachteile für Konsumenten und regelrechte Hungersnöte in unterentwickelten Regionen, werden bezeichnenderweise nicht erwähnt. Laut NZZ tragen die Finanzmärkte und ihre Akteure keine Schuld. Ich finde die Argumentation nachvollziehbar. Zugleich stört mich die den Finanzmärkten unterstellte Naturgesetzlichkeit. Dass diese Naturgesetzlichkeit unterbrochen werden kann, zeigen Beispiele wie die Commerzbank, die sich von diesem Handel (aus ethischen Gründen, aber sicher auch auf Druck der Konsumenten) verabschiedet hat. Eine Ursache ist also sicher die Geldpolitik - da stimmen wir überein. Aber eine weitere notwendige Ursache ist die Bereitschaft von Investoren, sich auf diesem Markt zu engagieren, sie freizusprechen scheint mir völlig verfehlt, da ihnen eigenverantwortliches Handeln abgesprochen würde und eine Investment-Opportunity kein Gegenstand der Reflexion, sondern nur ein Gegenstand des Handelns ist. Das widerspricht allen Grundsätzen selbstbestimmten und -verantwortlichen Handelns. Mit einem Wort: ich würde mich gerne von der Naturgesetzlichkeit der Finanzmärkte verabschieden. Das ist eine Illusion - daher braucht es eine entsprechende Regulation. Die Geldschwämme war nur dadurch notwendig, dass Investoren (bzw. Sparer) nicht als Gläubiger einer Bank angesehen wurden, sondern als Personen mit einem absoluten Recht an ihrem Ersparten.


Noch kurz zur Definition von Spekulation: wie wir wissen beinhaltet jede Renditeneinschätzung auch eine Risikoüberlegung - hab mich da vielleicht ungenau ausgedrückt. Spekulation ist ja immer gerade das in Kauf nehmen eines bestimmten Risikos.



Zentralbank und Liquidität
25.03.13
Ralf

Keine großen Anmerkungen mehr, außer das die Liquidität nur zum Teil von den Zentralbanken gesteuert wird. Banken (Kreditvergabe), Investoren und Konsumenten (über die Umlaufgeschwindigkeit) sind ebenfalls Akteure in der Liquiditätsdiskussion. Daher ist das NZZ Argument meiner Meinung etwas kurz gegriffen.


Ich stimme dir zu, dass es Freiheitsgrade in menschlichen Systemen und wenig Naturgesetzlichkeit gibt. Es liegt in der Verantwortung des Einzelnen, sich zu überlegen, was er mit seiner Liqudität macht. Ich glaube aber hier nicht an Regulation sondern, eher an Alternativen, Bewußtseinsbildung etc. Der Bankensektor ist schon so reguliert....das schafft nur Ausweichmöglichkeiten, Kosten für kleine Bannken etc. Aber das ist ein neues Thema.


 



Spekulation und fördernde Maßnahmen auf der Makroebene
02.04.13
Ralf

Das ganze Thema der Spekulation auf der Makroebene (was beeinflusst ein spekulatives Klima) wurde in diesem Beitrag nicht behandelt. Eine feiner Artikel (Die Logik der Spekulation), mit einem Schwerpunkt zum Ökonomen Minsky findet sich auf diesem Blog: http://le-bohemien.net/2012/11/16/die-logik-der-spekulation/




 



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