Transparenz

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Durchsichtigkeit kann das Durchscheinen verhindern. Am reinsten finden wir die Nachvollziehbarkeit von Regeln und Abläufen in der Maschine. Wenn ein Unternehmen zur Maschine wird, hat es den Menschen (Kunden und Mitarbeitende) längst aus dem Blick verloren. Die Transparenz im Sinne der Durchsicht hat die Transparenz im Sinne des Durchscheinens verstellt. Die Transparenz der Logik hat das Scheinen des Lebens für sich verwendet - um zu glänzen. Das lebendig Seiende verkümmert unterdessen, weil es nur noch Energielieferant des logischen Apparates ist. Das heisst, dass Kunden und Mitarbeitende ihre Lebensenergie zur Erhaltung und Politur des Apparates (sei es in Marketing, Produktion, Finanzierung, Vertrieb,...) verwenden und so den Apparat zwischen sich und Welt, bzw. sich und andere Menschen stellen. Die Wesensbegegnung ist dadurch verstellt, weil jede Begegnung schon im Bannkreis des Apparates stattfindet. Der Apparat als solcher soll damit nicht negiert werden. Wir sollten uns nur nicht von seinem Glanz verführen lassen und so das Wesentliche aus dem Blick verlieren.

Wo aber finden wir Transparenz im Sinne des Durchscheinens? Überall dort, wo Wesensbegegnung stattfindet. Wesensbegegnung findet aber statt, wo Ergriffenheit im Wahrnehmen des Gegenübers eintritt.

Eine Bank, die transparent und Fair, vielleicht sogar etwas "grün" arbeitet, hat in diesem Sinn keinen neuen Weg eingeschlagen. Sie hat nur ihren Apparat ausgebaut und um diese Begriffe und die entsprechenden Prozesse Ergänzt. Sie bleibt aber durchsichtiger Apparat der das Scheinen des Lebens verstellt. Transparenz im Sinne des Durchscheinens bedarf eines neuen Einschlages, bedarf der Begegnungsräume, des Interesses am Leben des anderen. Lauter Dinge, die nicht per Verordnung erreicht werden können. Wie kommen wir in die Nähe dieser Art von Transparenz? Vielleicht nur, indem wir das Motiv, die Fähigkeiten, die Strukturen entsprechend hegen und pflegen?

These (Version 1): Transparenz im Sinn von Durchsichtigkeit ist eine Eigenschaft des Unternehmens als logischem Apparat. Sie kann die Transparenz im Sinne des Durchscheinens der Sache verstellen. Ein Unernehmen, das als logischer Apparat geführt wird, braucht alle Ressourcen menschlicher kreativität zur Erhaltung und zum Ausbau und zur Politur des Apparates. Das Scheinen des lebendigen Menschen ist die Energiequelle dieses Glanzes und darf selbst nicht in Erscheinung treten. Dadurch verkümmert der lebendige Schein und die Wesensbegegnung im Sinne von Ergriffenheit im Wahrnehmen des Gegenübers. Diese Kümmernis ist das Drama unserer Zeit.

Banken sind Unternehmen, die von der Begegnung und vom Vertrauen zwischen Menschen leben. Gerade sie sind geeignet neue Wege aus der Seinsvergessenheit zu suchen und zu gehen.

 

[1] Martin Heidegger: Die Frage nach der Technik, in: Vorträge und Aufsätze, Klett-Cotta 2004

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