Bedürfnis

Maslow -Bedürfnisse als Hierachie

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Bedürfnisse sind zentral in der Ökonomie. Sie treiben den Homo Oeconomicus und Maslow ist der Klassiker den jeder Student mit auf den Weg bekommt. Gleichzeitig wird Maslow immer wieder stark kritisiert. Die Kritik an Maslow sollte fairerweise mit einer historischen Kontextualisierung beginnen. 1943[1] erschien seine erste Ausgabe der Bedürfnispyramide. Es war ein Kriegsmodell, das darauf fokussierte die Prioritäten in der Bedürfnisbefriedigung festzulegen.

maslow

Sicherlich sind die dargestellten Bedürfnisse[2] von Individuum zu Individuum unterschiedlich stark ausgeprägt und sind auch vom kulturellen Setting abhängig.

Wieso ist diese Pyramide wichtig? Sie zeigt einfach und anschaulich die unterschiedlichsten Bedürfnisse von Menschen. Die Pyramide zeigt jedoch noch mehr, nämlich dass die Erfüllung physiologischer Bedürfnisse ein Fundament (für die Erfüllung anderer Bedürfnisse) darstellt und dass die Erfüllung erste Priorität vor anderen Bedürfnissen hat. Das ist so meiner Meinung nach nur teilweise richtig. Ich kenne genügend Menschen, die mit wenig Materiellem (Vielleicht ist das schon viel?) aber hohen Erfüllungsgraden auf anderen Ebenen sehr glücklich sind. Es müsste also vorweg definiert werden, wie viel von den einzelnen Ebenen notwendig ist. Genug zum Essen, genug für eine Eigentumswohnung oder doch für einen Porsche und ein Landhaus? Diese Ebene ist entscheidend, nicht dargestellt und mag zu einer vereinfachten Kritik verleiten. Es gibt jedoch sicher (und da verteidige ich Maslow) eine Ebene an materiellen Bedürfnissen, die bei den meisten Menschen vor allen anderen Ebenen kommt. Diese Ebene zeigt sich auch bei den Befragungen zu den Kundenwünschen in der Finanzdienstleistungsindustrie. Prioritität eins bei Krediten ist immer noch der Preis. Die Diskussion der Extreme verlassend, mangelt es den meisten Menschen in der westlichen Welt sicherlich nicht an der Erfüllung unterer Ebenen, sondern auf den oberen Ebenen wie dem Lebenssinn oder Liebe.

Mir ist wichtig, dass Diskussionen um Kundenbedürfnisse kein utopisches Menschenbild vorstellen, sondern bei der Realität bleiben. Und zu dieser Realität gehören auch simple primitive Bedürfnisse, die nicht ignoriert oder schön geredet werden dürfen. Sie gehören zu uns und sollten in jeder Vision auch berücksichtigt werden.


[1] A.H. Maslow, A Theory of Human Motivation, Psychological Review 50 (1943):370-96

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